Stumm

Wenn man ein paar Mal gehört hat, dass man sich alles einbildet,
Wenn man ein paar Mal abgeschmettert wird,
Wenn man zu oft dummes bösartiges  Getratsche hören muss,

dann traut man sich nicht
dann fragt man nicht mehr
dann sagt man nichts mehr.

Übergangen, bis nichts mehr geht.

Wenn kein Wunder kommt.
Wenn kein Wunder spricht.
Wenn kein Wunder wahr wird.

 

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Pan, Pan, ewiger Pan

Herz, Kohlenstoff.
Das bist du.
Mensch.
Panta rhei – alles fließt.
Wasser und Blut.
Das bist du.
Mensch.
Ein Strom von Zeit
von Geburt bis Tod.
Von Anfang bis Ende
fließt es rein, fließt es raus.
Verbindet dich.
Das bist du.
Menschlein.
Abhängig.
Nabelschnur.
Saugen.
Trinken.
Fühlen.
Sex.
Panta rhei!
Der flüssige Strom
Gedankenstrom
Lebensstrom.
Schwippschwapp.
Schnippschnapp.

Was bleibt von dir?
Ströme.
Wissen.
Liebe.
Sein.

Mensch.

© gann uma

Inspiriert vom obersten Bild von Gerda Kazakous Beitrag https://gerdakazakou.com/2017/06/02/cy-twombly-fortgesetzt-pan-apoll-dionysos-aphroditevenus-orpheus-nike/

Erinnerung I

Wald

Urwald

Der alte Wald atmet und wächst,
stirbt und gebiert in der Sonne Macht.
Pulsierendes Leben fächert sich auf.
Ich bin der Saurier unter den Bäumen,
zwischen Farn und Moos bin ich
wittern und atmen und fressen
nichts wissen im Schlaf in der Nacht.

Ich bin so jung!
Jung wie die unbenannten Bäume,
frisch wie der Farn und das saftige Moos.
Wasser kreist in uns, tropft und flüstert überall
Wurzeln und Stämme, Blätter und Wasser.
Mein Schwanz wurzelt im Grund verwoben,
ungetrennt erbebt die Erde meine Knochen.
Herzschläge, Flattern zuckt im grünen Dunkel.

Mein neuer Kopf sieht derweil fern
und denkt alte Gedanken.
Bunte Möglichkeiten, unendliche Wahrscheinlichkeiten,
strahlend leicht, flüchtig kühl.

Die alte Erde interessiert das nicht.

© gann uma 2014

Ein schlechtes Gedicht über schlechte Menschen

Der Finsterling

Haltet Euch fern von ehrbaren Spießern.
Schwarzes Herz und braunes Hirn,
ein dickes Brett klebt vor der Stirn,
nach außen braver Biedermann.
Ein g’scherter Lump in Wirklichkeit,
ungehemmte Selbstgerechtigkeit,
missgünstig und primitiv –
ein Unkraut aus dem Kleinstadtmief.
Schäbig, düster, die Umgebung,
braun und grau und eitergelb.
Klatsch und Tratsch und Lästerei,
lautes, plumpes Hassgeschrei.
Seine Schuldigkeit und Pflicht
juckt den werten Herren nicht.
Überheblich, dumm und schlecht,
bricht er Verträge und das Recht.

Doch zuviel Schatten ruft das Licht.
Immer mehr Menschen erkennen dich.
Die Götter enthüllen deine wahre Gestalt:
kleiner, hohler Wicht aus Staub.

© gann uma

Das Krokodil

Das Krokodil sperrt den Rachen weit auf,
ganz friedlich liegt es da,
und rührt sich nicht.
Es ist so groß und so still und so immerda.

Du knüpfst deine Schaukel auf,
und hängst da ganz bequem.
Du lachst.

Wie schön das Schaukeln ist
im Rachen aufgeknüpft,
ein ganzer Nachthimmel
zwischen leuchtenden Zähnen.

© gann uma

 

Dieses Krokodilbild spukt seit längerem in mir herum, ich möchte es gerne malen – ein kleines Kind auf einer Schaukel, aufgehängt im Rachen eines Krokodils, das im Weltall sitzt. (Meine Malkünste sind leider nicht so ausgereift.) Symbol für Kinderängste, Lebensängste, Ausgeliefertsein, das Schicksal.
Dank Inspiration von cafeweltenall hab ich jetzt ein Wortbild.